Mit Händen und Füßen auf Entdeckungsreise

Fünf Kinder der Buddelmausgruppe und ich haben mit viel Freude intensive Erfahrungen im Bereich der taktilen Wahrnehmung gemacht.                                                                            

Zum “Tag der offenen Tür“ erstellten wir in der Gruppe in einer Gemeinschaftsarbeit eine wunderschöne, für Kinderhände aufregende, große Fühlschnecke. Durch das große Interesse und die Begeisterung der Kinder aufmerksam geworden, erschien es mir folgerichtig und dem Entwicklungsstand angemessen, über ein gut durchdachtes Projekt weitere Angebote aus diesem Bereich zu machen.                                 

Das Erfühlen und Spüren mit Händen und Füßen stand im Vordergrund des Projektes. Sowohl individuelle Einzelwerke als auch Gruppenkunstwerke wurden im Rahmen unserer Treffen erstellt und gestaltet, was die Kinder in ihrer Sprachhandlungsfähigkeit sowie in ihrem Gemeinschaftsgefühl förderte. Wir haben einen eigenen Button mit Fingerabdruck erstellt, eine Barfuß-Bewegungsstunde durchgeführt, unsere Hände in Salzteig gedrückt, einen Keilrahmen mit Fingerfarbe und Frischhaltefolie gestaltet, einen Fußabdruck erstellt und eine Fühlwand gestaltet.

Mit dem Abschluss des Projektes endet für unsere kleine Gruppe eine spannende Zeit, die Jeder in der ihm eigenen Art erlebte und bereicherte und in der wir viel Freude hatten.

Um ihre Eltern teilhaben zu lassen, luden die Kinder sie zu einer richtigen kleinen Vernissage ein. Selbstbewusst führten sie die eingeladenen Gäste an ihren aufgebauten Kunstwerken vorbeigeführt und dieses hörten den Erläuterungen ihrer Kinder zur Entstehung aufmerksam zu. Über eine Power-Point-Präsentation erhielten die Eltern von mir,  als Projektleiterin, dann noch detailliertere Informationen. Anschließend waren sie genauso stolz auf ihre Kinder, wie die Kinder auf sich selbst. Mit einem gemeinsamen Kuchenessen endete der Nachmittag.

 

 

Unser Projekt mit Naturmaterialien im Herbst (Buddelmäuse)

Da ich bei den Kindern beobachten konnte, dass sie sich sehr für Naturmaterialien und überhaupt für die Natur draußen interessieren, habe ich ein Projekt daraus entstehen lassen. Man konnte sehen, wie sie sich für einfache naturwissenschaftliche Dinge interessieren, aber auch die Naturmaterialien draußen mit in ihr Spiel eingebunden haben und auch sehr kreativ und phantasievoll damit umgegangen sind.

Also ging unser Projekt los. Mira, Lasse und Noa haben gemeinsam mit mir 7 Projekteinheiten gestaltet. Wir waren gemeinsam mit Teddy Tatze im Herbst unterwegs und haben die verschiedenen Farben der Blätter im Herbst kennen gelernt (Bilderbuch), zusammen seinen Hut im Laub gesucht, den der starke Herbstwind weggepustet hat. Für unseren Eingang haben wir einen Herbstbaum mit bunten Blättern (Handabdrücken) gestaltet. Einen Tag haben wir im Außengelände und rund um die Kita lauter schöne Naturmaterialien gesammelt, die man im Herbst finden kann. So kamen auch viele spannende Fragen auf, z.B. woher die Materialien kommen und warum Blätter und Kastanien im Herbst vom Baum fallen. Wir hatten eine Kiste voll mit gesammelten Kastanien, Kastanienschalen, bunten Blättern, Eicheln, Eichelhüten, Steinen und vielen verschieden großen Stöckern. Mit diesem Gesammelten haben wir dann die nächsten Einheiten verbracht. Die Kinder haben immer ihre Ideen mit eingebracht und sind sehr kreativ mit den Materialien umgegangen. Mit den Kastanien wurde viel experimentiert, sie wurden durch Rohre gekullert, über den Boden gerollt und in Flaschen gesteckt. Dabei wurde deutlich, dass nicht alle Kastanien gleich groß sind. Ein schönes Kastanienbad in einer Wanne war total spannend, es kam sofort die Idee die Schuhe auszuziehen und die Kastanien mit den Füßen und dem ganzen Körper wahrzunehmen. Die Wahrnehmung spielte während des ganzen Projektes immer eine große Rolle. Auch der Umgang mit den Naturmaterialien und anderen Materialien, wie Fingerfarbe und Salzteig war besonders spannend. Hier sind tolle Kastanienkullerbilder und Blätterdrucke entstanden. Besonders kreativ waren die 3 mit dem Salzteig und den Naturmaterialien, hier sind schöne Kunstwerke entstanden, die wir getrocknet haben. Zum Abschluss haben wir einen großen phantasievollen Herbstspaziergang in der Turnhalle mit all unseren Naturmaterialien gemacht und in einem anschließenden Sitzkreis alles besprochen, worüber Mira, Noa und Lasse noch einmal reden wollten. Es hat uns allen viel Spaß und Freude bereitet und wir haben den Herbst mit seiner Vielfalt kennengelernt.

 

 

Die Körper-Entdeckungsreise

Die Piraten gehen auf „Körper-Entdeckungsreise“

Während des Kitaalltages in der Piratengruppe, konnte ich das Interesse einiger Kinder für sich und ihren Körper, aber auch für die sich vollziehenden körperlichen Veränderungen durch Wachstum sowie ihre Aufmerksamkeit für die zwischen Jungen und Mädchen existierende Andersgeschlechtlichkeit beobachten.

Das motivierte mich, im Rahmen meiner Ausbildung zur Erzieherin, mit Kindern im Alter von 4-5 Jahren ein Projekt zu starten, bei dem wir uns auf die Suche nach Antworten auf ihre vielen Kinderfragen machten.

Unsere Projektgruppe, zu der Mila, Matilda, Julia, Fine, Anna, Leo, Hannes, Cornelius und ich gehörten, nannten wir „Körpergruppe“. Unter dem Thema „Mein Körper und Ich“ trafen wir uns viele Male, wobei wir sehr viel Spaß hatten und aufregende Erfahrungen sammelten. Anfangs wollten wir erst einmal möglichst viel über unseren eigenen Körper erfahren, um danach einen ganz persönlichen Steckbrief zu erstellen. Jeder Steckbrief wurde zu einem wunderschönen Original, phantasievoll gemalt und geklebt.

Richtig zur Sache ging es dann bei der Bewegungsstunde: Hier haben wir unsere Körper gegenseitig auf große Papierbögen gemalt, um damit zu turnen. Das war ein Gaudi, wir haben in dieser Stunde viel gelacht und dabei gelernt, dass wir vorsichtig mit uns und unseren Partnern sein müssen. Nur dann verlassen sich die anderen auf uns und haben keine Angst, dass ihnen etwas zustößt, wenn sie sich auf unsere Führung verlassen.

Besonders gefallen hat uns allen ein Bilderbuch, in dem es darum ging, dass unser Körper uns gehört. In dem Buch stand auch, dass wenn ich etwas nicht möchte, ich „NEIN“ oder „Ich will das nicht“ sagen muss. Darüber haben wir uns lange unterhalten und noch heute, wo das Projekt schon abgeschlossen ist, holen die Kinder sich das Buch immer wieder hervor.

Desweiteren haben wir ein neues Lied kennengelernt, bei dem alle unsere Körperteile benannt wurden und die wir lustig und bewegungsfreudig eingesetzt haben..

Auf Fragen und Interessen der Kinder reagierend war das Thema Schwangerschaft ganz wichtig und spannend, so dass wir zum Abschluss hierzu noch einmal kreativ wurden. So entstand ein aufschlussreiches Memory, dass in der Gruppe nun allen Kindern zur Verfügung steht.

Bei einem gemütlichen Picknick, das auf Grund des schlechten Wetters in der Turnhalle stattfand, haben wir die einzelnen Projektabschnitte noch einmal Revue passieren lassen. Eine von mir vorbereitete Diashow unterstützte diese Abschlussphase, sehr zur Freude der Kinder.

 

 

Die Umwelt mit allen Sinnen erfassen

Wir führten dieses Projekt in der Gruppe der „kleinen Buddelmäuse“ durch.

Die ersten drei Lebensjahre des Kindes sind besonders wichtig und prägend für seine weitere Entwicklung. Das Kind lernt über Sinneswahrnehmung und Bewegung seine Umwelt kennen. Es muss Dinge sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken und sich bewegen, um Informationen über sich und seine Umwelt zu erhalten. Seine kognitive Entwicklung (die Entwicklung der Wahrnehmung) hängt maßgeblich von seinen sensomotorischen (Empfindungs- und Bewegungs-)Erfahrungen ab.

Die Basissinne, auch Körpersinne genannt, sind der Hautsinn, die Tiefensensibilität und der Gleichgewichtssinn. Diese sind verantwortlich für die innere Wahrnehmung, die Eigenwahrnehmung. Ergänzend dazu haben wir den Gesichtssinn, den Hörsinn, den Geruchssinn und den Geschmackssinn, die uns gemeinsam mit den Basissinnen eine differenzierte Wahrnehmung unserer Umwelt ermöglichen.

Die Basissinne sind schon vor der Geburt im Mutterleib entwickelt. Auf diesen baut die Weiterentwicklung des Kindes auf und sie sind für die frühkindliche Entwicklung besonders wichtig!

Sinneswahrnehmung ist nur selten auf ein Sinnessystem beschränkt; es braucht das Zusammenwirken aller Sinnessysteme.

Wahrnehmung ist die sinngebende Verarbeitung von Sinnesreizen. Wir nehmen Reize aus der Umwelt mit unseren Sinnesorganen auf. Die Reize werden im Gehirn zugeordnet. Jede neue Erfahrung, die ein Kind macht, knüpft an Vorerfahrungen an und schafft im Gehirn eine neue Verbindung. Nach Jean Piaget ist das der Beginn von Lernen.

Der Hautsinn (Taktiles System)

Die Haut ist das größte Sinnesorgan und besitzt verschiedene Rezeptoren für Berührung, Druck, Spannung, Dehnung, Vibration, Strukturbeschaffenheit, Temperatur und Schmerz. Berührungsreize sind von großer Bedeutung für die kognitive und emotionale Entwicklung. Ohne ausreichende taktile Stimulation kommt das Nervensystem aus dem Gleichgewicht.

Die Tiefensensibilität

Diese Informationen erhalten wir vom Körper selbst durch Muskeln, Gelenke und Bewegungen. Die Tiefensensibilität befähigt uns zu Bewegungen und zur Körperkontrolle. Hautsinn und Tiefensensibilität sind miteinander verbunden und arbeiten eng zusammen, um die Basis für ein Körperbewusstsein herzustellen.

Der Gleichgewichtssinn (Vestibuläres System)

Der Gleichgewichtssinn reagiert auf die Schwerkrafteinwirkung sowie auf die Bewegung und die Lage des Körpers im Raum. Er ist bereits im fünften Schwangerschaftsmonat sehr gut entwickelt. Gleichgewichtsstimulation regt die Sprache an und hat eine positive Wirkung auf das auditive (= Hörsinn) System. Bewegung ist ein Grundbedürfnis des Kindes und die Voraussetzung für jedes Lernen. Eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten können zu einer verlangsamten und unvollständigen Entwicklung der Wahrnehmung und der Sprache führen. Bewegungs- und Sinnesförderung sind in der heutigen Zeit besonders wichtig, da die Kinder oft zu wenig Angebote für die Basissinne bekommen, während sie akustisch und visuell überfordert werden.

Der Hörsinn

Der Hörsinn ist der menschliche Mitteilungssinn. Wir können uns mitteilen, weil wir beim Sprechen Laute mit festgelegten Bedeutungen erzeugen und beim Hören diese Laute verstehen. Auch Schrift und Gebärdensprache sind vom gesprochenen Worten abgeleitet. Der Hörsinn ist wichtig für die Entwicklung sozialer Beziehungen und damit für die Entwicklung der Persönlichkeit.

Der Gesichtssinn (visuelle Wahrnehmung)

Mehr als die Hälfte der Informationen, die aus der Umwelt in unser Gehirn gelangen, nehmen wir durch die Augen auf. Der Gesichtssinn bestimmt weitgehend, was wir von der Welt wissen und wie wir uns über sie verständigen. Dieser ist der einzige Sinn, den wir bewusst abschalten können. Dazu brauchen wir nur die Augen zu schließen.

Der Geruchs- und der Geschmackssinn

Schon direkt nach der Geburt verfügt das Neugeborene über einen hervorragenden Geschmacks- und Geruchssinn. D.h. oft sind Gerüche aus frühester Kindheit in unserem Gedächtnis verankert, doch wir erinnern uns erst an sie, wenn wir den Gerüchen begegnen. Diese beiden Sinne sind eng miteinander verknüpft, im frühen Stadium jedoch noch nicht vollständig entwickelt. Etwa ab dem vierten Lebenstag kann das Baby den Geruch seiner Mutter erkennen und von anderen Gerüchen unterscheiden. So baut es eine starke Verbindung zu seiner wichtigsten Kontaktperson auf. Säuglinge sind früh in der Lage, verschiedene Geschmacksrichtungen zu unterscheiden. Ihre Geschmacksnerven sind gut entwickelt und Babys verfügen über mehr Geschmacksknospen auf der Zunge als Erwachsene. Dennoch bevorzugen Säuglinge noch keine geschmackliche Vielfalt.

Wie fördern wir die Sinneswahrnehmung?

Umwelterfahrung mit allen Sinnen ist in unserem Gruppenalltag überall integriert, wie hier zu sehen im Stuhlkreis. Es wird jedes Kind mit einbezogen und auf die Stärkung des Gruppengefühls und des miteinanders hingearbeitet.

Angebote für den Tastsinn:

Durch Experimentieren mit verschiedensten Materialien kann spielerisch das taktile System angeregt werden.

  • Rasierschaum, Knete, Teig, Gips, Ton, Creme, Sand, Reis, Bohnen, Linsen…
  • Fingerfarben, Kleisterfarben…
  • Taststraße/ Tastmemory
  • Tastwürfel, Tastbücher
  • Kissen aus verschiedenen Materialien
  • Wasser
  • Massagegeschichten, Massage
  • Bällebad
  • Tastkorb mit Naturmaterialien

Angebote für das Gleichgewicht:

Schaukelnde Bewegungen stimulieren das Gleichgewicht und wirken beruhigend und tröstend.

  • Kniereiterspiele
  • Hängesack, Hängematte
  • Kreisspiele, Bewegungsspiele
  • Schiefe Ebene
  • Wippe, Schaukel
  • Physiobälle
  • Schaukelpferd
  • Kindertänze

Angebote für die Tiefenwahrnehmung:

Kinder lieben es, Gegenstände von einem Ort zum anderen zu tragen. Sie schleppen schwere Sandsäcke, sie drücken und schieben. Widerstand bietet eine gute Tiefenwahrnehmung.

  • Trampolin, Hüpfen
  • Stempeln mit verschiedenen Materialien
  • Bewegungsspiele
  • Säckchen gefüllt mit verschiedenen Materialien zum Tragen
  • Rutschautos/ Dreirad …
  • Kniereiter, Klatschspiele, Fingerspiele
  • Ziehen, drücken, schieben
  • Kastanienbad, Linsenbad …
  • An- und Entspannungsübungen

Angebote für die auditive Wahrnehmung:

  • Kim-Spiele
  • Experimente
  • Memory und Vergleichsspiele
  • Farbcollagen herstellen

Angebote für die visuelle Wahrnehmung:

  • Geräusche hören und erraten (CD, Natur…)
  • Wecker oder Spieluhr verstecken/ finden
  • Geräuschememory
  • Rassel basteln aus verschiedenen Materialien

Angebote für die gustative und olfaktorische Wahrnehmung:

  • Duftsäckchen und Duftblumen basteln
  • Duftkerzen herstellen
  • Duftmemory (Streichholzschachtel)
  • Verschiedene Dinge schmecken und erraten